Theo Solnik gewinnt den Preis für junge Filmkunst für seinen Film ANNA PAVLOVA LEBT IN BERLIN

Gestern Abend wurde von den Freunden der Nationalgalerie und der Deutschen Filmakademie im Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart erstmals der Preis für junge Filmkunst verliehen.

Den Preis gewann der dffb Student Theo Solnik für seinen Film ANNA PAVLOVA LEBT IN BERLIN. Der Film des jungen brasilianischen Regiestudenten hatte seine Uraufführung im Juni beim Filmfest München und entstand im Rahmen seines Regiestudiums an der dffb.

Der Film ist ab sofort bis Januar 2012 in einem eigens eingerichteten Projektionsraum im Hamburger Bahnhof zu sehen.

Begründung der Jury:
In seinem Film beschreibt Theo Solnik die Jugend- und Partykultur des Nachwende-Berlins, ohne konkrete Ereignisse oder Veranstaltungen zu zeigen. Im Zentrum der filmischen Erzählung steht vielmehr die schillernde Figur „Anna Pavlova“, eine junge, vitale Frau aus Russland, die mit der Kamera bei ihrer permanenten Bewegung durch Straßen, Plätze, Parks begleitet wird. In ihrer Rastlosigkeit und ihrer verzweifelten Suche nach etwas Lebensglück strahlt die Protagonistin eine Verlorenheit aus, die einerseits sehr authentisch wirkt, andererseits ganz offensichtlich konstruiert ist. Eine direkte Kontaktaufnahme mit der Kamera, sogar Dialoge mit dem Kameramann entlarven den scheinbar so dokumentarischen, ganz in schwarz-weiß angelegten Film als eine bewusste Inszenierung. In mehrfacher Weise verschränken sich im Film die Wirklichkeitsebenen bei gleich bleibender Intensität der Bilder. Diese auch hohe emotionale Qualität des Films liegt nicht zuletzt in einer, für einen jungen Filmemacher beeindruckend souveränen Handhabung der technischen Mittel. Die Kameraführung allein wechselt virtuos zwischen journalistischem Porträt und freier, poetischer Umschreibung. Als ausgesprochen künstlerisch kann schließlich die ästhetische Gesamtstruktur gelten: eine schier endlos mäandernde Erzählung aus dichten, sich immer wieder ähnelnden Großstadt-Episoden.

ANNA PAVLOVA LEBT IN BERLIN
Synopsis:
Anna Pavlova, russische Partyqueen, verkörpert das brutale Glück und die Tragödie der Berliner Partygeneration von heute. An der Grenze zwischen Wahnsinn und seltener poetischer Klarheit treibt sie durch die Strassen von Berlin und zeigt uns uns eine Seite der Nachtwelt, wie wir sie selten sehen. Ihre Existenz ist ein verzweifelter Versuch, in endlosem Glück zu leben und jene die Welt nicht zu sehen, die im Morgengrauen beginnt, wenn die Musik zu Ende ist.

Technische Daten:
Deutschland, 2011, Dokumentarfilm, 80‘, sw, HD-CAM, 29.97fps, 16:9, Stereo
Sprachen: Deutsch, Englisch, Russisch

Eine Produktion der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb).

Theo Solnik
Geboren 1981 in Sao Paulo, fing Theo Solnik im Alter von 14 Jahren an, als Schauspieler und Musiker im Theater zu arbeiten. Nach dem Philosophie- und Sozialwissenschaftenstudium an der Universität von Oslo, drehte er mehrere Kurzfilme als Regisseur und Kameramann, arbeitete als freier Journalist und Fotograf und übernahm 2004 die musikalische Leitung des 25 Stunden langen Theaterepos Os Sertões bei der international renommierten brasilianischen Theatergruppe Teatro Oficina. Seit 2006 studiert er Filmregie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.

Mehr Infos zu ANNA PAVLOVA LEBT IN BERLIN

Veröffentlicht am 29. September 2011