Über das Drehbuchschreiben

„Es ist sinnlos scharfe Bilder zu produzieren, wenn man unscharfe Ideen im Kopf hat.“ So postuliert Jean Luc Godard gewohnt scharfzüngig. Und man kann den Begriff „Ideen“ ohne weiteres durch „Geschichten“ ersetzen, um deutlich zu machen, wie wichtig es für alle Studenten der dffb ist, eine Vorstellung vom Geschichtenerzahlen und der empirischen Wissenschaft der Dramaturgie zu entwickeln.

Wie dieses Wissen sinnvoll zu vermitteln ist, unterliegt wie alles andere auch dem Wandel. Die Drehbuchakademie der dffb hat seit ihrer Gründung 1997 vor allem in den letzten drei Jahren viele Veränderungen durchgemacht. Gerade wurde die Umstellung des Studiums von zwei auf drei Ausbildungsjahre erfolgreich beendet und die Integration in die Kernakademie schreitet weiter voran. Die Studierenden der Drehbuchakademie sind vollkommen gleichberechtigte Mitglieder aller studentischen Gremien. Immer mehr Seminare finden gemeinsam statt oder bauen sinnvoll aufeinander auf. Wie zum Beispiel die Veranstaltung von Conny Hermann mit Produktionsstudenten im Hauptstudium und Zweitjahresstudenten zur Auswertung von deren Erstjahresbüchern. Stoffe für Sonderprojekte wie die arte-Filme oder die rbb-Movies werden gleichberechtigt entwickelt.

Die Dynamik des Schreibprozesses ist allerdings eine vollkommen andere als die eines Sets oder die eines Produktionsbüros in der Vorbereitungsphase. Und ein Schreibstift ist etwas anderes als eine Kamera, auch wenn Alexandre Astruc in den 1950er Jahren mit dem Begriff „Camera Stylo“ eine Verbindung herstellen wollte in der Handhabung der beiden Gerätschaften und meinte, die Kamera solle geführt werden wie ein Schreibstift. Daher sind der zunehmenden Synchronisierung der Studiengänge auch gewisse Grenzen gesetzt.

Das Curriculum der Drehbuchakademie ist drei Jahre lang für alle Teilnehmer gleich
getaktet. Die anderen Studiengänge werden nur im Grundstudium zusammen unterrichtet, nach zwei Jahren, im Hauptstudium, gibt es dort eine freie Kurswahl.

Die Durchführung der Masterclasses Serie und Komödie hat die Kooperation und Vernetzung mit der Branche verstetigt. Dass es uns auch im vergangenen Jahr gelungen ist, ein Projekt aus diesen Maßnahmen direkt an den Sender zu verkaufen, macht deutlich, wie attraktiv dieses Modell für die Akademie, die Studenten und den Sender ist. Und auch auf dem internationalen Level wurden wichtige Zusammenarbeiten begründet. Nachdem wir die Veranstaltung „Writers for Europe“ mit dem Motto „How do stories learn to travel?“ ins Leben gerufen und mit unseren Partnern aus Amsterdam und Londondrei Mal erfolgreich hier in Berlin durchgeführt haben, ist das Projekt jetzt reif, weitere Partnerschulen aufzunehmen und vor allem selbst zu reisen. „Writers for Europe 2012“ wird im April in Holland stattfinden, das heißt, die Studenten des zweiten Jahrgangs der Drehbuchakademie werden in diesem akademischen Jahr zu einem einwöchigen Symposium nach Amsterdam reisen. Wir haben unsere internationalen Aktivitäten gezielt ausgeweitet und sind Partner des Programms „Midpoint“, dem Central European Script Center geworden. In Zukunft werden jedes Jahr zwei Teams aus Autor und Regisseur oder Produzent die Chance haben, ihren Stoff in zwei Workshops in Prag zu entwickeln.

Die dffb und ihre Drehbuchakademie befinden sich in einem ständigen Anpassungsprozess an die Gegebenheiten der Filmbranche, an sich wandelnde technische und ökonomische Voraussetzungen der Filmherstellung. Nur wer gelernt hat, sich zu verändern hat eine Chance erzählerisch auf sich wandelnde Umgebung zu reagieren, nur wer sich verändert, hat eine Chance neue narrative Formen für neue technische Möglichkeiten des Mediums zu finden. Nur wer sich wandelt, bleibt sich treu.

Jochen Brunow (Leiter Drehbuchakademie)