Studiengang Kamera

Erstes Jahr

Generalistische Struktur; die Studenten der verschiedenen Studienrichtungen lernen sich kennen, werden zu einem Jahrgang. Unabhängig vom unterschiedlichen Wissensstand und der Studienrichtung lernen alle Studierenden gemeinsam. Bis Weihnachten erste Regiearbeiten, fiktional und dokumentarisch – Seminare, die Fragen stellen, auf die das Studium als Ganzes immer nur vorläufige Antworten geben wird. Antworten die neue Fragen gestalten, die jeder Studierende für sich beantworten muss.
Ziel des ersten Jahres ist es, eine Haltung gegenüber dem Medium einzunehmen, zu hinterfragen, was als Wissen in das Studium mitgebracht wird, andere Filmemacher mit anderen Herangehensweisen kennen zu lernen, die Vorkenntnisse anzunähern, Basiswissen in den verschiedenen Studienrichtungen zu erlangen, zu üben, Partner für das zukünftige Arbeiten zu finden. Unbedingt: ausprobieren, scheitern, Fehler machen und erkennen, was falsch war, andere Fehler machen, weiter ausprobieren.
Deshalb: selber spielen im Schauspielseminar, die Verantwortung für die Kameraeinstellung übernehmen, freihändig arbeiten, herausfinden wie etwas zusammenpasst oder warum eine Einstellung im Schnitt eben nicht mit einer anderen zusammenpasst, wie Bilder und Töne etwas Neues gestalten, das kein Drehbuch antizipieren konnte. Deshalb auch: noch keine Dramaturgie, wenig Theorie, möglichst keine gedanklichen Einschränkungen. So sollten die ersten und vielleicht alle weiteren Filme entstehen; als Versuche, als Verwerfungen des Gefundenen, als Experimente. Der erste Film muss so sein; mutig, waghalsig – eine kreative Überforderung.

Zweites Jahr

Aufbauend auf dem Grundlagenseminar zu den Mitteln der Bildgestaltung werden im zweiten Jahr diese Themen erneut aufgegriffen und das Spektrum der Gestaltungsmittel erweitert. Die Bildvorstellungen werden in technisch reproduzierbare Aufgaben unterteilt. Immer wieder zunächst das Bild sehen und über das technische Wissen verfügen, es geplant gestalten zu können. Licht, Bewegung, Ausstattung, analoge und digitale Bildaufnahme. Aber auch das Verstehen einer Szene, weiter Sehen lernen, das Licht, ein Gesicht, eine Bewegung, die Farben. In der Situation sein, Planen und Einschätzen des technischen Aufwands, die Bildliche Auflösung eines erzählerischen Vorgangs herstellen können und die Aufmerksamkeit für das schärfen, was sich vor der Kamera ereignet. Komplexer werden im Wissen über Technik und Bilderwelten in Produktion und Postproduktion.
Am Ende des Studienjahres die Verantwortung übernehmen für die GK Filme, eine gemeinsame Sprache finden mit der Regie und der Produktion, Bilder finden, die es zu sehen lohnt, die sich
abgrenzen, mutiger sind, eine Moral und eine Ästhetik haben.
Erfahren, dass alle Technik nur der visuellen Gestaltung einer Vision dient, dass jedes Bild dem Macher eine Verantwortung gibt, die nichts mit dem Negativbefund zu tun hat.

Hauptstudium

Fast nur noch Angebote - die Gestaltung des dritten und vierten Studienjahres liegt in der Eigenverantwortung jedes Studierenden. Von Oktober bis Ende Juni werden Seminare angeboten, grundsätzlich gilt: Jeder kann sich für jedes Seminar anmelden, unabhängig von der eigenen Studienrichtung. Melden sich mehr Studierende für ein Seminar mit begrenzter Kapazität an, werden diejenigen vorrangig zugelassen, deren Schwerpunkt das Seminar am ehesten deckt. Das fächerübergreifende Studium ist ausdrücklich gewollt. Die eigenen ästhetischen Vorlieben, das eigene Erkenntnisinteresse sind jetzt ein guter Kompass.
Das Angebot des Hauptstudiums dient einerseits der professionellen Weiterentwicklung und soll gleichzeitig der individuellen künstlerischen Bildung genügend orientierung geben. Seid Künstler und eignet Euch ein breites Wissen an, um unter den bestehenden kulturellen und ökonomischen Strukturen Filme machen zu können. Wisst mehr als notwendig, morgen sieht die Welt anders aus und Ihr wollt in diese heute unbekannte Welt als Künstler eingreifen. Damit verändert Ihr sie, gestaltet sie mit.
Neben den Seminaren gibt es andere Formen im Gespräch zu bleiben: Kolloquien, dramaturgische Einzelberatungen, semesterübergreifende Masterclasses, Sonderprojekte und Austauschprogramme. Und in dieser Vielfältigkeit sollt Ihr auch noch und vor allem Eure Filme produzieren.